Sonntag, 27. Februar 2011

Schneiderhandwerk

Wenn ich an Vietnam denke, dann denke ich an all die Möglichkeiten die mir dieses Land bietet. Viele Vietnamesen verdienen sich gutes Geld mit dem Schneiderhandwerk. Sie arbeiten geschickt, emsig, schnell und für unsere Verhältnisse sehr günstig. Kleidungsstücke werden innert 24 Stunden angefertigt. Problemlos sind Kopien. 
Aber auch Spezialanfertigungen sind kein Problem, vorausgesetzt es wird eine Anprobe eingeplant. 
Leider hat meine Schneiderin in Hanoi ihr Geschäft aus gesundheitlichen Gründen momentan geschlossen. Diese Tatsache machte mir einen grossen Strich durch die Rechnung. 


Während unseres Aufenthaltes in Hoi An, nutzte ich die Gelegenheit mir dort all die geplanten Stücke anfertigen zu lassen. 
Hoi An gilt als Stadt der Schneider. 
Ich träumte von einem Blazer, Anzug, Kleidern, Hemden und T-Shirt.






Einige Stoffe konnte ich auf dem Markt in Hanoi einkaufen. Es lohnt sich die Stoffe im Vorfeld zu erstehen, längst nicht alle Schneider verfügen über ein vielfältiges Sortiment. 
Besprechen und Ausmessen beansprucht Zeit, aber garantiert, dass die Kleidungsstücke letztlich passen. Zwischen der ersten Besprechung und der Anprobe liegen 12 Stunden. Das Fertigstellen und allfällige Änderungen werden in weiteren 10 Stunden getätigt. 





Alle Aufträge wurden zur vollen Zufriedenheit meinerseits ausgeführt. 
Wissen muss man, dass hier noch mit den Nähmaschinen unserer Grossmütter gearbeitet wird. Vieles wird zusätzlich in Handarbeit ausgeführt. Oft arbeiten die Schneider zu zweit an einem Stück. 
Empfehlen kann ich A Dong Silk www.adongsilk.com



Samstag, 26. Februar 2011

Brillenkauf

Die Le Duan ist eine Hauptstrasse an der fast keiner meiner Wege vorbei führt. An dieser Strasse befinden sich zig Optikergeschäfte.
Während des letzten Jahres, begann sich meine Sehschärfe langsam zu verringern. Am Anfang liess sich das noch ausgleichen, in dem ich das Lesen der Texte gleichzeitig mit einer gymnastischen Armübung verband. Mit ausgestreckten Armen liess sich die Sehschärfe einstellen, gleichzeitig begann sich meine Armmuskulatur aufzubauen, nüchtern betrachtet, optimal! 
Leider funktionierte diese Technik nach geraumer Zeit nicht mehr. Der Stolz liess es lange nicht zu mich zu einer Lesebrille zu bekennen. Hier in Vietnam machte mir das Arbeiten am Computer zunehmend Mühe. Ich hatte vermehrt mit Kopfschmerzen zu kämpfen, das war der Ausschlag weshalb ich mich entschied, mir eine "stylische" Lesebrille anzuschaffen.
Jeder Brillenträger weiss, dass das durchaus zu einer kostspieligen Angelegenheit werden kann.
Heute wollte ich mal einige Brillen anprobieren und mich erkundigen mit welchen finanziellen Aufwendungen gerechnet werden muss.
Das erste Geschäft das ich aufsuchte hatte zwar ein grosses Sortiment an Brillen, aber die meisten Modelle waren sich sehr ähnlich. Das Personal war bei weitem nicht so bemüht etwas zu verkaufen, wie wir das aus der Schweiz kennen. Eine junge Frau, die nach mir das Geschäft betrat, gab ihre Empfehlung ab. Das ging so: Ich probierte eine Brille, sie nickte lächelnd, das hiess "schön". War ich unsicher, so probierte sie die Brille an und sagte mir damit, wenn sie ihr stehe, so stehe sie mir ebenfalls..... So lässt sich leider kein so wichtiges Stück kaufen. 
Ich verliess dankend den Laden und betrat den Nächsten.
Aber wo ist den hier das Personal? 
Ach, langsam kroch, eingeklemmt zwischen Sehtestgerät und Wand, eine Frau die ich beim Mittagsschlaf gestört hatte, von einem Stuhl. Freundlich und zuvorkommend gab sie mir sämtliche Modelle zur Anprobe. Ich fragte nach einem Sehtest, sie gab mir verschieden starke Gläser in einer Probebrille zum Testen. Ich musste zum Test eine Zeitung nehmen und selber entscheiden, wann für mich die Stärke stimmte. Der Entscheid fiel auf einen Dioptrien.
Leider war die Batterie des Taschenrechners leer, was sie bei mehrmaligem Tasten drücken(endlich) herausfand!!! und so musste sie den Preis für die Gläser auf eine Zeitung schreiben. 185`000 VD. (ca. 9 Fr.)


Den wichtigen Entscheid musste ich noch fällen und der war um etliches schwieriger als der für die Stärke der Gläser! Letztlich machte ein schwarz/rotes Brillengestell das Rennen. Wie sich herausstellte nicht das Billigste. 
Gestell kostet 380`000 VD.  (19.--) Ich wollte den Preis, aus Prinzip, noch etwas runter handeln. Aber sie lachte nur und schüttelte den Kopf! Nach Abschluss des Geschäfts telefonierte sie kurz. Bald darauf betrat ein junger Mann den Laden, holte das Gestell ab und  meinte zu mir blickend, 20 minutes. Derweil machte sie sehr langsam und sehr gemütlich Tee, welchen wir jedoch nicht mehr zusammen trinken konnten. Das Einsetzen der Gläser bedurfte weniger Zeit als das Ansetzen des Tees... Die Bügel mussten noch angepasst werden. 
Fertig. Tip Top. 
Erst zu Hause fiel mir auf, dass ich nun auch zu den Besitzern eines Ray Ban Brillengestells gehöre, was letztlich den Preis erklärte. Im Vergleich zu den anderen Brillengestellen war es eines der teureren.
Seit dem Kauf sind einige Stunden verstrichen. Als wir am Abend am Geschäft vorbei spaziert waren hat sie uns freudig zugewinkt. 
Schön!







Donnerstag, 24. Februar 2011


Perlenzucht 

Sobald man sich in touristischen Zentren befindet fällt einem auf, dass Perlenschmuck in allen Varianten, Farben und Formen, angeboten wird. Die Preisunterschiede sind sehr gross, was einerseits mit der Qualität der Perle, andererseits mit dem Händler zu tun hat. Man sollte Vorsicht walten lassen beim Kauf einer Kette. Nicht alle Perlen sind echt. Da heisst es, nach Möglichkeit auf die Bohrlöcher achten.(!) Echte Perlen sind selten alle gleichmässig geformt. Vielleicht packt man sich eine unechte ins Gepäck, um im Notfall Vergleiche anstellen zu können. 


Vor zwei Wochen hatten wir die Möglichkeit eine Perlenzucht zu besuchen.

die benötigten Instrumente  

Zurück im Meer, dauert das Wachstum der Perle zwei Jahre. 









In Handarbeit wird jeder einzelnen Muschel, mit einer Pinzette, ein Fremdkörper eingepflanzt.






Nach zwei Jahren sind die Perlen gross genug um "geerntet" zu werden. 


Später werden sie zu traumhaften Schmuckstücken weiterverarbeitet.







Dienstag, 22. Februar 2011



Frisörbesuch

www.ursbachofner.com
Es gibt Momente im Leben einer Frau, da müssen Sofortmassnahmen ergriffen werden! Meiner war gestern Abend. Ich stand vor dem Spiegel und fand meine Haare, schlicht " unmöglich". Die daraus folgernde Massnahme hiess, ich muss mir dringend einen Frisör suchen! Nicht das es keine gäbe in Hanoi, es gibt sie wie Sand am Meer. Es stellt sich eher die Frage, welchen Standart ich bevorzugen würde. Es gibt die einfache Variante, da hängt an einer öffentlichen Mauer ein Spiegel, davor steht ein Stuhl und daneben der Coiffeur mit einer alten Schere und einem Kamm. Er arbeitet am trockenen Haar. Diese Möglichkeit nutzen vorwiegend die Männer. 
Der einfache Damenfrisör hat ein Zimmerchen mit ältlichem Inventar. In diesen Geschäften wird die Kundschaft auch an Sonn- und Feiertagen bedient. 


Heute Morgen habe ich mich auf die Suche gemacht.
Täglich spaziere ich in unserem Quartier an diversen Geschäften vorbei. Davon ist mir nur eines ins Auge gesprungen.
Ich erkundigte mich dort, ob sie auch Ausländern die Haare schneiden würden? Der Chef nickte und winkte mich ins Geschäft hinein. 
Ich nahm auf dem Sofa Platz und wartete bis die Kundin vor mir zufrieden mit ihrem Haarschnitt war. Der Hinterkopf bedurfte noch etwas mehr Volumen und im Nacken nochmals nachschneiden.... 
Es ist hier nicht üblich, dass man im Voraus einen Termin abmacht. Man geht vorbei und wartet bis man an der Reihe ist. Um die Wartezeit zu überbrücken gabs Zeitschriften und ein Glas Wasser.



Als die Reihe an mir war, zeigte ich ihm ein Bild meines Wunschhaarschnitts. Ich entdeckte ihn an einer grossen Plakatwand.
So ähnlich wäre toll. Er warf einen Blick darauf, nickte und sprühte meine Haare nass. Dann legte er mit einer grossen, alten Schere los.
Ab und zu legte er sie zur Seite und nahm den Föhn zur Hand. Danach wurde weitergeschnitten. Ich schätze mein 
Coiffeur brauchte nicht länger als 15 Minuten für meine Frisur.





Das Resultat war durchaus zufriedenstellend. Der Service kostete mich 50`000 VD. ( 2.50 Fr.)







Ich kann ihn wärmstens empfehlen..... nur billig wirds, wenn der Flugpreis mitgerechnet wird, garantiert nicht :-)













Samstag, 19. Februar 2011

Spitalbesuch in Hoi An

Nicht immer ist uns das Schicksal gut gesinnt.... hart und wahr! Ein bisschen Sonnenbaden, ein bisschen Faulenzen am schönen Sandstrand und den Abend in Hoi An in einem hübschen Restaurant, bei einem feinen Essen verbringen, so sahen die Pläne aus.
Mit Sonnenbaden ist nichts und war nichts, das Wetter lies es nicht zu. Die gemütlichen Abende beschränkten sich gerade mal auf drei. Leider ist unser Besuch vom Pech verfolgt. 
Der erste Strandtag reichte (obwohl die Sonne hinter den Wolken versteckt war)für einen Sonnenbrand bei den Einen, dazu gesellte sich dann noch eine heftige Erkältung. Der Patient verordnete sich Bettruhe und literweise Flüssigkeit. Mit unserem anderen, gesunden Besucher verabredeten wir uns am späteren Abend (Dunkelheit) im Hotelrestaurant zu einer Tasse Tee.
Wir sahen durch die Scheibe wie sie sich langsam näherte und dann urplötzlich verschwand! Schnell eilten wir ums Eck, mussten wissen, was da vorsich ging. Da lag sie auf dem Boden, wie ein Käfer auf dem Rücken. Wir halfen ihr auf und begleiteten sie an den Platz. Der Fuss wurde von Minute zu Minute dicker. Das sah nun wirklich nicht gut aus. Ein Ponstan auf die Nacht und abwarten, wie es sich entwickelt. (Die Hotelanlage ist auf verschiedene Ebenen gelegt, da gibt es immer wieder 2 bis 3 Tritte die einem auf den nächsten Boden bringen. Gerade in der Dunkelheit übersieht man sie gerne und stolpert oder fällt deswegen.)www.boutiquehoianresort.com 

Nächster Morgen, neuer Tag. Der Fuss war fürchterlich angeschwollen und schmerzte, deshalb entschieden wir uns für eine sichere Diagnose. 
Da muss ein Arzt her! Er kam und entschied, dass es für eine seriöse Abklärung, Röntgenbilder bedürfe.
Wir fuhren ins Spital, dort war alles bereit für das Röntgenbild. Leider hatte ich meinen Fotoapparat nicht dabei und hätte ich ihn dabei gehabt, ich hätte mich wohl nicht getraut ab zudrücken. Vielleicht findet man im Internet noch Bilder von alten Schlachthöfen ( ca.1950 -1970) dann hat man eine leise Ahnung wie es aussah. Steril? Geruch! Mit einem schmutzigen Mopp wurden die Schuhabdrücke noch schnell grossflächig verteilt. 
Andere Länder andere Sitten, vor allem andere finanzielle Mittel und keine Krankenversicherungen. 
Die Röntgenbilder brachten (zum Glück) eine Verstauchung zu tage und keinen Bruch! Der Arzt war kompetent und zuvorkommend. Dank der Medikamente ging die Schwellung bereits nach einem Tag schon ziemlich zurück. Heute gibt es gelockerte Bettruhe.



Hoi An


Das alte Tor zur Welt gleicht einem verspielten  Freilichtmuseum; handtuchschmale Kaufmannshäuser, die sich entlang der schmalen Gassen reihen wie Eisenspäne auf einem Magneten, knallbunte Tempelanlagen, in denen die Nachkommen chinesischer Einwanderer ihre Schutzgötter verehren, der einem grünen Geschenkband gleicht in Richtung Meer sich schlängelnde Thu-Bon-Fluss. www.dumontreise.de
Für viele Vietnambesucher zählt Hoi An zu den Höhepunkten ihrer Reise.

Zur Zeit befinden wir uns an diesem malerischen und historischen Fleck. Dieser Ort steht unter Weltkulturerbe und wird überrannt von interessierten Besuchern. Mittags und abends werden die Gässchen ausgefüllt mit Touristen.
Das Städtchen besteht hauptsächlich aus Schneidereien, Schuhmachern, Souvenirshops, Schmuckgeschäften, Galerien und vielen Restaurants.




Besonders schön ist es am Abend, sobald es dunkel wird, durch die Gassen zu schlendern. Diese werden durch eine grosse Menge farbiger Stofflaternen, die auch bei uns erhältlich sind, erleuchtet. ( Made in Vietnam!)
Hoi An ist die Stadt der Schneider, deshalb haben auch wir uns einen ausgesucht, der uns einige Kleiderträume erfüllen sollte.
Zwischen der Auftragserteilung, der ersten Anprobe und dem Abholen aller Stücke und es waren an der Zahl 12, lagen gerade mal 48 Stunden. Ich bin restlos  zufrieden mit den Werken. Grossartige Arbeit.




Wir logieren etwa 7 Autominuten ausserhalb von Hoi An am Meer. Hier finden sich noch unendlich lange, menschenleere Sandstrände. Traumhaft schön. Die totale Erholung........


Cua Dai Beach 
runde Fischerboote




Uns erholen ........... das versuchten wir.... gelang beinahe........... aber es gibt Zwischenfälle......dumme Zufälle.... und dann noch die Unfälle...........  
ABER DAS IST EINE ANDERE GESCHICHTE









Mittwoch, 16. Februar 2011

Und ich weiss es eigentlich genau.....
www.ursbachofner.com
Optisch übersättigt, mit knurrendem Magen, unterwegs mit meinem Besuch aus der Schweiz, steuerten wir ein Kaffee an. Auf dem Weg dorthin trafen wir auf einen Schuhputzer. Wie üblich machte er mich aufmerksam auf meine staubigen Stiefel. Da ich sozial veranlagt bin, dachte ich, er hat recht also soll er sie putzen. Wie viel willst du dafür? Er: 20`000 Dong. Ich wiederholte den Betrag, es gibt ja ab und zu Missverständnisse. Alles war klar und ich lies ihn gewähren. Da wurde tüchtig mit Schuhcreme eingefettet, ich schaute ihm interessiert zu. Er holte ein Stück (irgendwas) aus seiner Tasche, schon war Leim auf meinem Absatz und (offensichtlich) Sohle. Ich sagte zu ihm: Was machst du da mit meinem Stiefel? Er: Oh Madam, not good, zeigt auf meinen abgelaufenen Absatz, now very good. Na toll, weshalb fragt der nicht erst? Ich sagte, das will ich nicht, abgemacht war nur putzen. Nur 200`000 Dong meinte er. Was? sicher nicht. Ich zahle 20`000 und nichts mehr. Er arbeitete unbeirrt weiter. Sagt nur ab und zu 150`000 Dong und very good. Als er fertig war, schaute er die Stiefel zufrieden an und bemerkte, ich könne nun damit zum Ho Chi Minh-Denkmal gehen und in die Halong Bucht. Ich sagte ihm, dass ich gar nichts will damit, ausser nach hause gehen. Ich zahle jetzt 20`000 Dong und keinen Dong mehr. Wir stritten noch ein wenig. Ich wies ihn daraufhin, dass man so keine Geschäfte mache, gab ihm den abgemachten Betrag und ging mit schlechtem Gewissen davon.
Und ich wusste es schon von vornherein, es wird wie üblich Probleme geben!!!!!!


Meine Stiefel werden nicht so schnell wieder in die Hände eines Schuhputzers fallen......